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Buchbesprechungen zum Enneagramm

Aus der Fülle der Bücher zum Enneagramm greift Wolfram sporadisch eines heraus und macht eine Buchbesprechung.

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Wolfram freut sich auf Anregungen, Kritik und Empfehlungen:
Wolfram[@]Engler-Seminare.de
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Die Besprechungen sind alphabetisch nach den Namen der Autoren sortiert.

Folgende Bücher sind hier besprochen:

Almaas, A. H. / Facetten der Einheit
Friedmann, Dietmar - Lass Dir nichts vormachen!
Gallen, Maria-Anne / Neidhardt, Hans
Grom, Bernhard - Vortrag vom 27.01.2000
Kast, Verena - Der Schatten in uns
Kingma, Daphne Rose / Wer liebt wen und warum?
Küstenmacher, Marion / Das Enneagramm der Weisheit
Maitri, Sandra / Neun Portraits der Seele
Muth, Cornelia / Zwischen Gut und Böse
Naranjo, Claudio / Erkenne dich selbst im Enneagramm
Naranjo, Claudio / Wandlung durch Einsicht
Reifarth, Wilfried / Das Enneagramm - Idee, Dynamik, Dimensionen
Riso - Hudson / Die Weisheit des Enneagramms
Rohr, Richard und Ebert, Andreas / Das Enneagramm - Die neun Gesichter der Seele
Rohr, Richard und Ebert, Andreas / Erfahrungen mit dem Enneagramm
Schreber, Klaus / Das Enneagramm - ein Heilsweg?
Thomson, Clarence / Das Jesus-Enneagramm
Webb, Karen / Das Enneagramm - Was Sie wirklich darüber wissen müssen
Wolinsky, Stephen / Jenseits des Enneagramms


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Almaas, H. A. / Facetten der Einheit

(Besprechung: Verlagstext)

Unter allen Büchern über das Enneagramm nimmt dieses eine Sonderstellung ein. Es behandelt das Enneagramm nicht – wie die meisten Bücher – als psychologisches Instrument zum besseren Verständnis der eigenen Persönlichkeit, sondern als spirituellen Wegweiser zu dem, was jenseits der Persönlichkeit liegt.

Jedem der neun Persönlichkeitstypen des Enneagramms liegt eine spezifische Heilige Idee – eine Facette der Einheit – zugrunde. Wo in den meisten Enneagrammbüchern die neun Persönlichkeitstypen besprochen werden, behandelt dieses Buch die ihnen zugrunde liegenden Heiligen Ideen. A. H. Almaas untersucht die neun verschiedenen Prozesse, durch die wir den Kontakt zum Sein – und damit die Perspektive unserer Heiligen Idee – verlieren. Er zeigt auf, welche falsche Realitätssicht für jeden der neun Typen daraus resultiert, und wie sich die jeweilige Egopersönlichkeit auf der Basis dieser falschen Sicht entwickelt. Wer diese Prozesse versteht und die Heiligen Ideen in der eigenen Tiefe wiedererkennt, findet den Weg zurück in die ursprüngliche Einheit. Wie alle Werke von A. H. Almaas besticht auch dieses durch seine Tiefe, seine spirituelle Aufrichtigkeit, seine Unbestechlichkeit, seine Intelligenz. Ein Muss für jeden Ennegramm-Interessierten, eine Offenbarung für alle Suchenden, egal, welcher Tradition sie folgen.

Eine anspruchsvolle, spirituell in die Tiefe gehende Untersuchung der neun verschiedenen Prozesse, durch die der Kontakt zum Sein/Essenz verloren geht. Durch das Verstehen dieser Prozesse wird der Weg zurück in die Einheit ermöglicht.

Über den Autor

A. H. Almaas ist der Schriftstellername von A. Hameed Ali, dem Begründer des Diamond Approach, eines Weges der spirituellen Entfaltung. Geboren in Kuwait, ausgebildet in Physik, Mathematik und Psychologie, lebt Ali seit vielen Jahren in den USA, wo er 1975 die Ridhwan School gründete, um den Diamond Approach zu unterrichten. Dieser sehr pragmatische, auf Erfahrung gründende Weg verbindet traditionelles Wissens über die menschliche Essenz und Entfaltung mit zeitgenössischen psychologischen Erkenntnissen. Inzwischen werden Studenten in Kanada, Australien, Deutschland, Holland und England unterrichtet.

H. A. Almaas
Facetten der Einheit

Kamphausen
379 Seiten

€ 22.50
interessiert mich

 

Friedmann, Dietmar / Lass Dir nichts vormachen

(Besprechung: Wolfram, 02.12.2001)

Zu den wesentlichen Elementen des Enneagramms gehören die so bezeichneten "Triaden", die bekanntlich gebildet werden aus den Enneagramm-Mustern 2 - 3 - 4 sowie 5 - 6 - 7 sowie 8 - 9 -1. Es lohnt sich durchaus, wenn wir das Enneagramm nicht immer nur im "Reigen" aller 9 Muster betrachten, sondern uns gezielt auch mal den Triaden zuwenden. Dazu gibt es in den meisten Büchern zum Enneagramm gesonderte Abschnitte.

Um so bemerkenswerter erscheint es, wenn ein deutscher Psychologe, Dr. Dietmar Friedmann, gleich mehrere (!) Bücher schreibt, in denen er ein Modell vorstellt, das inhaltlich den "Triaden" deutlich ähnelt. Und geradezu verblüffend wirkt die Tatsache, dass der Autor vor der Erstellung seiner Bücher das Enneagramm gar nicht kannte, wie er mir sinngemäß in einer gewechselten freundlichen Korrespondenz mitteilte!

Damit nähern wir uns mal wieder der Frage, ob es sich beim Enneagramm um ein geradezu "archetypisches System" handelt, das es schon immer gab und immer geben wird, unabhängig davon, ob wir es kennen und gebrauchen oder ob wir meinen, es ablehnen zu sollen.

Wer neugierig ist, sollte wenigstens ein Buch von Dr. Friedmann lesen. Ich empfehle das dritte Buch aus einer "Reihe" von Werken des Autors, weil es auf den beiden anderen aufbaut und die dort schon aufgezeigten Gedanken fortführt, ohne die Lektüre der ersten beiden Bücher vorauszusetzen. Falls jemand gleichwohl die Angaben zu den beiden vorangehenden Büchern sowie zu weiteren Büchern von Dr. Friedmann haben möchte, so bitte ich um eine kurze Mail.

Noch ein Hinweis: Die Titel der Bücher von Dr. Friedmann scheinen nicht immer für jeden Geschmack optimal gewählt zu sein, aber das Problem kennen wir ja auch von Buchtiteln aus der Enneagramm-Literatur. Also: lasst euch vom Titel nicht abschrecken, es kommt ja auf den Inhalt an.

Friedmann, Dietmar
Lass dir nichts vormachen

Ehrenwirth
201 Seiten

€ 12.50
interessiert mich

 

  

Gallen, Marie-Anne und Neidhardt, Hans / Das Enneagramm unserer Beziehungen
Verwicklungen, Wechselwirkungen, Entwicklungen

(Besprechung: Verlagstext)

Das Enneagramm: kein modisches Zauberwort aus der Psycho-Kiste, sondern ein traditionsreiches Modell neun grundlegender menschlicher Charaktermuster, die hier im Kontext der Humanistischen Psychologie neu interpretiert werden. Unsere Wahrnehmung, unser Denken, Fühlen und Verhalten folgen einem dieser Muster - nicht immer, aber öfter, als wir ahnen. Auf welche Weise wir in wichtigen Wechselwirkungen verschiedener "seelischer Strickmuster" in Berührung kommen, davon handelt dieses Buch. Und davon, wie wir mit den Spielregeln, die uns die Charaktermuster zu diktieren scheinen, bewußter umgehen können.

Gallen, Marie-Anne und Neidhardt, Hans
Das Enneagramm unserer Beziehungen

Rowohlt
320 S., Taschenbuch

€ 8,90
interessiert mich

 

 

Grom, Bernhard / Vortrag vom 27.01.2000

Literaturhinweis:

Hier im Enneagrammforum begrüßen wir auch immer wieder kritische Stimmen, sofern sie sachlich bleiben. Denn themenzentrierte Kritik am Enneagramm ist stets auch eine willkommene Bereicherung unseres Wissens und unserer Erfahrungen.

Deshalb möchte ich eure Aufmerksamkeit lenken auf einen Vortrag des Jesuiten Bernhard Grom vom 27.1.2000, den er im Tätigkeitsbereich der reputierten Karl-Rahner-Akademie in Köln gehalten hat und in dem er sich u.a. kritisch mit dem Enneagramm befasst.

Die Internet-Fassung dieses Vortrages ist veröffentlicht unter
http://kirche.kath.de/akademie/rahner/vortrag/Grom_eso.htm

Wolfram, 24.11.2001

  

 

Kast, Verena / Der Schatten in uns

(Besprechung: Wolfram, 21.10.2001)

Ob Verena Kast - die eine Vielzahl lesenswerter Bücher veröffentlicht hat - das Enneagramm kennt, ist mir nicht geläufig. Jedenfalls beschäftigt sie sich in diesem Buch mit einem der wesentlichen und zentralen Themen des Enneagramms: mit unserem Schatten. Dieses Thema ist von so hervorragender Bedeutung, weil wir erst über unsere persönliche Schwachstelle - unseren Schatten - Zugang finden könnnen zu uns selbst und zu unserem Enneagramm-Muster.

Verena Kast greift - wie könnte es anders sein - auf die Ausführungen von C.G. Jung zurück bis hin zu den Archetypen. Sie stellt heraus, dass man heute weniger von einer (kompletten) "Integration des Schattens" ausgeht, sondern eher von einer Abstand wahrenden Akzeptanz des eigenen Schattens.

Die Autorin befasst sich mit den Aspekten des eigenen Schattens und mit den Schattengesichtspunkten bei unseren Mitmenschen. Sie geht auch auf den "Man-Schatten" ein, der es uns ermöglicht, uns hinter den Wörtchen "man", "wir" und der Passivform zu verstecken.

Nach Abhandlungen zum kollektiven Schatten (hier steht wieder C.G. Jung Pate) bietet Verena Kast in ihrem Buch breiten Raum zu Fragen der Akzeptanz des Schattens, offenbar liegt hier der Schwerpunkt ihrer Ausführungen. Aus der Sicht des Enneagramms, das sie ja mit keinem Wort auch nur ansatzweise erwähnt, erscheint dies hochinteressant.

Zum Ende des Buches geht Verena Kast noch auf "Schatten in der Beziehung" ein und schließt ihr Werk mit einem Kapitel mit der Überschrift: "Die verschatteten Frauen". Im Anhang ist ein ausführliches Literaturverzeichnis enthalten.

Das sehr lesenswerte Buch von Verena Kast dürfte ein Musterbeispiel sein für Abhandlungen, die völlig losgelöst von der spezifischen Enneagramm-Literatur stehen und doch nahezu nahtlos zum Enneagramm passen. Ich kenne hierzu noch weitere Bücher, die ich in absehbarer Zeit hier im Forum hoffe besprechen zu können.

Viel Freude bei der Lektüre von "Der Schatten in uns"!

Verena Kast
Der Schatten in uns

dtv
181 Seiten

€ 9.90
interessiert mich

 

  

Kingma, Daphne Rose / Wer liebt wen und warum?

(Besprechung: Wolfram, 18.06.2001)

Wer etwas vom Enneagramm versteht, den muss ein Buch mit dem oben genannten Untertitel einfach reizen. Dies gilt um so mehr, als die Autorin gleich in der Einleitung (S.11) mitteilt, sie kenne das Enneagramm. Schon in den nächsten Sätzen führt sie dann sinngemäß aus, sie wolle ein eigenes, auf ihren persönlichen langjährigen Erfahrungen basierendes Persönlichkeitssystem vorstellen, und zwar mit "neun markanten Liebestypen". Ein solches Vorhaben wirkt zweifellos interessant und klingt wenn nicht gleich nach einer Revolution im Bereich des Enneagramms, so doch zumindest nach einer Bereicherung.

In der Tat befasst sich die Autorin im nachfolgenden Hauptteil mit 9 Einzeltypen sowie anschließend (ab Seite 220) mit zehn Paarbildungen. Vom Aufbau her erscheint das Buch also durchaus vergleichbar mit manchen Enneagramm-Büchern.

Welches eigene System der Leser dem Buch entnehmen soll, ist mir nicht klar geworden. Nach meiner Einschätzung stellt die Autorin in den 9 Kapiteln des Hauptteils ohnehin nur 8 Typen vor. Die Bezeichnungen dieser Typen erinnern in weiten Zügen an Bezeichnungen aus der Enneagramm-Literatur, deshalb habe ich in der nachstehenden Auflistung den Typen bei Kingma die mir passend erscheinenen Benennungen aus dem Enneagramm gegenüber gestellt (links Kingsma, rechts Enneagramm):

Aufmerksamkeit heischender Typ - Enneagramm-Typ 4 (extrovertiert)
Emotionsgeladener Typ - Enneagramm-Typ 7
Emmotionsloser Typ - Enneagramm-Typ 3
Skeptischer Typ - Enneagramm-Typ 6 (kontra-phobisch)
Workoholic - Enneagramm-Typ 3 (mit gewissem Einschlag des E-Typs 5)
Perfektionist - Enneagramm-Typ 1 (mit gewissem Einschlag des E-Typs 5)
Träumer - Enneagramm-Typ 9
Kontrollierender Typ - Enneagramm-Typ 8
Entgegenkommender Typ - Enneagramm-Typ 2

Hierzu ist zum einen anzumerken, dass nach meinem Verständnis die Autorin den Enneagramm-Typ 3 mit den von ihr gewählten Bezeichnungen in zwei getrennten, nicht hintereinander verfassten Kapiteln abhandelt, zum anderen ist mir aufgefallen, dass sie dem Enneagramm-Typ 5 kein eigenes Kapitel widmet, sondern seine Züge gleich zwei Typen ihrer Benennung zuordnet. Außerdem erscheint mir bemerkenswert, dass die Reihenfolge der Typen bei Kingsma keinerlei Parallelität zur Ordnung der Enneagramm-Typen aufweist. Eine Antwort auf die Frage, wie genau denn nun das eingangs angesprochene eigene Persönlichkeitssystem der Autorin ausgestaltet sein soll, habe ich dem Buch nicht entnehmen können. Ähnlichkeiten zu Begriffen aus dem Enneagramm-Bereich wie "Triaden", "Flügel" und "Pfeile" vermochte ich ebenfalls nicht zu finden, damit fehlte jedenfalls mir im Buch von Kingma die die dem Enneagramm so wesentliche Ordnung und Dynamik.

Ebenfalls konnten mich die Zusammenstellungen der Autorin in der auf Seite 236 abgedruckten "Tabelle der Liebestypen" kaum ansprechen und schon gar nicht überzeugen. Dort wird zwar jedem "Liebestyp" eine "emotionale Wunde", ein "Verhalten zur Bewältigung" sowie "die unbewusste Emotion, die angesprochen werden muss", zugeordnet, jedoch erscheinen die Zuordnungen wenig stimmig, wenn der Leser Kenntnisse des Enneagramms hat.

Zusammengefasst: Wer kritisch mit dem Enneagramm umgehen will, der mag dieses Buch durchaus einmal lesen. Es fragt sich jedoch, ob dieses wohl vorrangig für den amerikanischen Markt verfasste Buch deutsche Leser, die über eher vereinfachend wirkende Darlegungen hinaus nach Antworten suchen, wirklich anzusprechen vermag. Ich jedenfalls bleibe da lieber doch beim Enneagramm.

Daphne Rose Kingma
Wer liebt wen und warum?
Eine Gebrauchsanweisung für 9 Partner-Typen

Mosaik bei Goldmann
240 Seiten
interessiert mich

 

 

Küstenmacher, Marion / Das Enneagramm der Weisheit

(Besprechung: Verlagstext)

Über tausend Texte wurden hier den neun Mustern des Ennegramms zugeordnet. Spirituelle Einsichten und Weisheiten, originelle Gleichnisse und Geschichten, witzige Aphorismen und Anekdoten spiegeln die Charaktermerkmale und Bewußtseinszustände der neun Ennegrammtypen wieder.

Diese Sammlung verblüfft durch ihre unorthodoxe Mischung und unterstützt gerade durch ihre Verbindung von Klarheit und spiritueller Weite gezielt die Veränderungsprozesse, zu denen das Ennegramm einlädt.

Vorwort zum Buch (Text von Andreas Ebert)

Die Kenntnis der menschlichen Seele und ihrer Irrungen und Wirrungen ist keine Erfindung des 20. Jahrhunderts. Seit Jahrtausenden versuchen Philosophen und Weise und die heiligen Männer und Frauen aller Religionen und Kulturen eine der Grundfragen des Daseins zu beantworten: "Wer bin ich?"

Das Enneagramm, eine spirituelle Typologie, deren Wurzeln im Dunkeln liegen, bündelt diese interkulturelle Weisheit auf überraschende und umfassende Weise. Auch wenn es sich einer "vor-wissenschaftlichen" Sprache bedient, sind seine Einsichten über die Verstrickungen, Muster und Abgründe, aber auch über die leuchtenden Kräfte unserer Innenwelt hochaktuell.

Alles, was das Enneagramm auszudrücken versucht, ist auch anderswo gesehen und ausgedrückt worden, wenn auch nicht in dieser umfassenden Gesamtschau. Marion Küstenmachers Anthologie spiritueller Schätze aus drei Jahrtausenden erbringt den Beweis dafür. In jahrelanger Arbeit und mit treffsicherer Intuition hat sie zeitlos Gültiges aus der psycho-spirituellen Weltliteratur zusammengetragen.

Die Fülle des Materials kann einen fast erschlagen. Deshalb empfiehlt es sich, dieses Buch sehr diszipliniert zu lesen. Es reicht schon, wenn man täglich eine dieser Geschichten oder einen dieser Aphorismen auf sich wirken läßt und verdaut. Dazu braucht man ein wenig Zeit und Stille. Diese Texte wollen nicht verschlungen und konsumiert, sondern meditiert werden. Sie leuchten nicht immer unmittelbar ein. Manche sind gleichsam "Koans", Rätselworte, wie Zen-Meister sie ihren Schülern zu "kauen" geben. Dieses Buch lädt ein, die Langsamkeit zu entdecken.

Dabei sollte man am besten bei der "Nummer" anfangen, die das eigene Muster kennzeichnet - soweit man dieses Muster schon entdeckt hat. Wer sich selbst noch nicht im Enneagramm gefunden hat, kann womöglich beim Lesen dieser Texte merken, in welchem der Kapitel sich die tiefste Betroffenheit, das größte Unbehagen oder die meisten Aha-Erlebnisse einstellen. Das dürfte dann eine signifikante Fährte zur Selbsterkenntnis sein.

Den Schwerpunkt der Texte bildet die spirituelle Tradition des Christentums. Darin spiegelt sich die Überzeugung und der persönliche spirituelle Weg der Herausgeberin. Gleichzeitig wird die Weisheit anderer Religionen und Weltanschauungen gewürdigt, so daß dieses Buch gleichermaßen für Christen wie für Nichtchristen, für Gläubige wie für Skeptiker eine Fundgrube sein dürfte.

Ich bin Marion Küstenmacher überaus dankbar für die Mühe, die sie in dieses außergewöhnliche Buch investiert hat, und hoffe, daß es vielen Menschen zum Segen wird.

Küstenmacher, Marion
Das Enneagramm der Weisheit

Claudius-Verlag
371 Seiten

€ 19.40
interessiert mich

 

 

Maitri, Sandra / Neun Portraits der Seele

Die tiefe Funktion des Enneagramms ist es, uns den Weg zu unserem wahren Wesen jenseits der Persönlichkeitsebene aufzuzeigen." Sandra Maitri

Jeder Mensch nimmt die Realität auf eine ganz bestimmte Weise wahr - auf jene nämlich, die seinem Typus, seinem Punkt im Enneagramm entspricht. Es ist, als trügen wir eine Brille, die uns ein verzerrtes und gefärbtes Bild unser selbst aufzwingt, all unsere Handlungen und Verhaltensweisen bestimmt und uns daran hindert, die wahre Wirklichkeit zu erkennen. In der Arbeit mit dem Enneagramm lernen wir, diese Brille genauer zu betrachten und den Einfluss, den sie auf unser Leben ausübt, wahrzunehmen, zu spüren und als Hinweis oder Landkarte für unsere Befreiung zu nutzen.

Es gibt eine Anzahl psychologischer und spiritueller Landkarten, die den Bereich des Ego markieren; doch von allen, die mir begegnet sind, kommt keine dem Enneagramm an Macht und Wirkung gleich," sagt Maitri. Die meisten Autoren behandeln das Enneagramm aus psychologischer Sicht - Maitri hingegen sieht und beschreibt es außerdem als ein Instrument für die spirituelle Transformation. "Die tiefere Funktion des Enneagramms ist es, uns den Weg zu unserem wahren Wesen jenseits der Persönlichkeitsebene aufzuzeigen." Was aber ist unser wahres Wesen, unsere Seele? Was hält uns davon ab, damit im Einklang - zu leben? Wie können wir lernen, uns der Seele anzuvertrauen, um schließlich in die Wahrheit heimzukehren? Alle Anteile unserer Persönlichkeit liefern Hinweise auf unser wahres Wesen. Wenn wir sie ehrlich anschauen, verstehen und umarmen, verwandeln sie sich in unsere Seelenqualitäten. Unsere ursprüngliche Freude, Lebendigkeit, Liebe und unsere Kraft stehen uns wieder zur Verfügung. Für diese Alchemie, die Verwandlung des niederen Metalls der Persönlichkeit in das Gold der Seele, können wir das Enneagramm nutzen. In ihrer sehr differenzierten, sorgfältig recherchierten und brillant dargestellten Studie des Enneagramms zeigt Sandra Maitri dem Leser einen Weg, sich selbst ehrlich zu begegnen und das, was er vorfindet, mit den Augen der Wahrheit und der Liebe zu betrachten. Das Buch hält dem Leser einen Spiegel vor, aus dem ihm hinter den Farben und Schatten seiner Persönlichkeit seine Seele zulächelt. Sandra Maitri gehörte der ersten Gruppe von Schülern an, denen der chilenische Psychiater Claudio Naranjo vor etwa dreißig Jahren das Enneagramm vorstellte. Sie ist Schülerin und Ausbilderin des Diamond Approach, eines von A.H.Almaas begründeten Weges zur Selbsterkenntnis. Ihr Interesse gilt der spirituellen Entfaltung des Menschen auf dem Weg zu seinem wahren Selbst. Zu diesem Zweck unterrichtet sie jährlich Hunderte von Menschen weltweit in der Arbeit mit dem Enneagramm.

Maitri, Sandra
Neun Portraits der Seele

J. Kamphausen Verlag
352 Seiten

€ 22.50
interessiert mich

 

  

Muth, Cornelia / Zwischen Gut und Böse

Mit Martin Bubers sechs Schritten nach der chassidischen Lehre das eigene Leben gestalten

(Besprechung: Wolfram, 06.07.2002)

Es gibt eine Vielzahl von Büchern, die sich mit dem Enneagramm aus psychologischer Sicht befassen, schon geringer an Zahl sind die Druckwerke mit spirituellem Bezug zum Enneagramm. Jetzt hat Cornelia Muth, Professorin in Bielefeld, als Herausgeberin einen Band vorgelegt, der einen ersten Brückenschlag bildet zwischen der Philosophie und dem Enneagramm. Diese Betrachtungsweise ist neu, bislang einzigartig. Cornelia Muth gebührt für diese Weiterung des Blickfeldes Anerkennung und herzlicher Dank.

Nach einer kurzen Einleitung gliedert die Autorin das Buch in 9 Kapitel, deren Ausrichtung den 9 Mustern des Enneagramms entspricht. Jedem Kapitel stellt Cornelia Muth einige Hinweise zum wesentlichen Gehalt der einzelnen Muster des Enneagramms voraus, insbesondere spricht sie die jeweiligen Schattenseiten, die „Leidenschaften“ der Muster als „Bilder des geistig-seelischen Bösen“ an: Zorn, Stolz, Eitelkeit, Neid, Habsucht, Furcht, Unersättlichkeit, Lust, Trägheit.

Und dann folgt in jedem Kapitel der wesentliche Inhalt des Buches: Passende Zitate aus verschiedenen Werken Martin Bubers, dem großen Religionsphilosophen, über dessen Dialogphilosophie Cornelia Muth promoviert hat. Allein schon die Auswahl der Texte Bubers in Zuordnung zu den 9 Enneagramm-Mustern stellt eine bislang einmalige Verbindung zwischen der Philosophie und dem Enneagramm her.

Cornelia Muth geht in ihrer kompetenten Textgestaltung aber noch einen Schritt weiter. Wie ein Baumeister stützt sie die 9 Bögen ihres Brückenschlages in der Art solider Quadersteine jeweils auf die „6 Entwicklungsschritte nach der chassidischen Lehre“, mit denen Martin Buber den Menschen Hilfen aufzeigt, um vom „Bösen“ – dem Richtungslosen – zum „Guten“ – der eigenen Richtung im Leben mit zufriedenstellenden Entscheidungen – zu gelangen. Damit bietet die Autorin den Lesern eine neuartige dynamische Perspektive im Rahmen des Enneagramms. Anleitungen zum Grundverständnis dieser 6 Entwicklungsschritte beinhaltet dankenswerterweise die Einleitung des Buches.

Wer möchte kann die einzelnen Kapitel in der persönlich genehmen Reihenfolge lesen, etwa je nach Neigung zu den einzelnen Leidenschaften aus dem Kreis der Enneagramm-Muster. Wie auch immer der Leser sich der Lektüre widmet, er wird in jedem Falle um einige Erfahrungen mit dem Gedankengut eines anderen Menschen – Martin Buber – reicher, der zu Begegnungen dieser Art selbst schreibt (S. 97): „Wenn wir eines Weges gehen und einem Menschen begegnen, der uns entgegenkam und auch eines Weges ging, kennen wir nur unser Stück, nicht das seine, das seine nämlich erleben wir nur in der Begegnung.“

Für alle, die sowohl an der Philosophie Martin Bubers als auch am Enneagramm Interesse finden, ist der von Cornelia Muth herausgegebene Band ein Genuss.

Muth, Cornelia
Zwischen Gut und Böse

Mit Martin Bubers sechs Schritten nach der chassidischen Lehre das eigene Leben gestalten

Gütersloher Verlagshaus
191 Seiten

€ 49.90
interessiert mich

 

 

Claudio Naranjo / Erkenne dich selbst im Enneagramm

(Besprechung: Wolfram, 04.12.2003)

Jeder, der Interesse für dieses Buch zeigt, ist gut beraten, sich zunächst den Originaltitel „Character and Neurosis“ sowie das berufliche Betätigungsfeld des Autors zu vergegenwärtigen: Es handelt sich um das Buch eines Psychiaters mit psychiatrisch akzentuierten Ausführungen zum Enneagramm. Der deutsch formulierte Titel und ein Blick ins Inhaltsverzeichnis mögen zwar ein Enneagramm-Buch mit dem allgemein in der Enneagramm-Literatur vertretenen Gedankengut zu den 9 Mustern des Enneagramms erwarten lassen, jedoch hat der Verfasser keinesfalls für Anfänger geschrieben. Dies ergibt sich eindeutig daraus, dass Claudio Naranjo den Schwerpunkt seiner Ausführungen zu jedem Typ des Enneagramms weniger auf die alltäglichen Erscheinungsformen der 9 Muster legt, sondern eher auf ihre gestörten Varianten. Dabei geht der Verfasser zu jedem einzelnen Enneagramm-Muster in gleicher Abfolge vor: Einigen „einleitenden Bemerkungen“ folgt ein Blick auf „Vorläufer in der wissenschaftlichen Charakterologie“, es schließt sich eine gegliederte Darstellung der „Struktur der Wesenszüge“ an, danach geht der Autor auf „Abwehrmechanismen“ ein, und die Kapitel werden mit je einem Abschnitt zur „existenziellen Psychodynamik“ abgeschlossen.

Bei seinen Ausführungen bezieht sich Claudio Naranjo häufig auf die von C.G. Jung hervorgehobenen „psychologischen Typen“, die später im MBTI eine erweiterte Darstellung erfuhren. Noch stärker aber lehnt der Autor sich an Karen Horney und deren Ausführungen in ihrem - vergriffenen - Buch „Neurose und menschliches Wachstum“ an.

Nicht enthalten im Buch von Claudio Naranjo sind nähere Gedanken zu der „Pfeiltheorie“ und zur „Flügeltheorie“ des Enneagramms. Allerdings findet der Leser einige Bemerkungen, die mit den „Subtypen“ (selbsterhaltend, sexuell sowie sozial) in Zusammenhang stehen.

Häufig wird der Leser die Sprache Naranjos als „Verkündung ex cathedra“ empfinden, mit näheren Begründungen zu seinen Darlegungen geht der Autor jedenfalls ziemlich sparsam um. Ob der Leser dies ihm als „Urgestein des Enneagramms“ nachzusehen bereit ist, bleibt der je eigenen Entscheidung überlassen. Als „Lehrbuch“ des Enneagramms ist das Werk von Claudio Naranjo jedenfalls nicht anzusehen, eher als Nachschlagewerk und Fundgrube für fortgeschrittene Kenner. Gleichwohl lohnt es sich, hier einmal die doch recht gut verständlichen Ausführungen eines Verfassers kennen zu lernen, der lange Zeit mit Oscar Ichazo in persönlichem Kontakt stand und der für den Bereich des Enneagramms nach wie vor erhebliches Ansehen genießt.

Claudio Naranjo
Erkenne dich selbst im Enneagramm

München 1994
256 Seiten
interessiert mich

 

  

Naranjo, Claudio / Wandlung durch Einsicht

(Besprechung: Wolfram, 27.07.2002)

Wer in der Enneagramm-Literatur auch nur einen beiläufigen Blick auf die historische Entwicklung des Enneagramms wirft, begegnet früher oder später dem Namen eines chilenischen Psychiaters und Gestalt-Therapeuten: Claudio Naranjo. Schon deshalb liegt es nahe, auf der Suche nach Quellen der Erkenntnis im System des Enneagramms nachzulesen, was Naranjo schreibt.

Sein Buch "Wandlung durch Einsicht" trägt den Untertitel "Die Enneagrammtypen im Leben, in der Literatur und in der klinischen Praxis". Es besteht im wesentlichen aus 9 Kapiteln in der Reihenfolge, in der die Enneagramm-Muster üblicherweise nach der grafischen Darstellung des Enneagramms abgehandelt werden.

Zu jedem der 9 Enneagramm-Typen stellt der Autor zunächst eigene Gedanken vor. Sodann zitiert er Literaturstellen und Therapieberichte anderer Psychologen und klinischer Helfer, u.a. zur bekannten "Geschichte der Anna O.", schließlich legt Naranjo Mitschriften aus eigener therapeutischer Tätigkeit vor. Einen großer Teil dieses Materials bietet er dem Leser mit nur sparsamen Erläuterungen an, spezifische Anmerkungen zum Enneagramm erscheinen sogar als ausgesprochen knapp gehalten.

Beim Leser mag in weiten Teilen des Buches das Gefühl entstehen, er lese gar keine Schrift mit Bezug zum Enneagramm. Jedenfalls fällt es schwer, die Ausführungen von Claudio Naranjo als sprudelnde Quellen zur Erschließung des Enneagramms anzusehen. Vielmehr kann bei der Lektüre des immerhin ca. 400 Seiten starken Werkes der Eindruck aufkommen, der auch beim Lesen in den 5 Büchern Mose der Bibel nicht abwegig erscheint: Auf einem langen Marsch durch die Wüste finden sich nur wenige Oasen. Ob hochspezialisierte Gestalt-Therapeuten dies anders sehen, kann hier offen bleiben.

Die Lektüre mag indes nicht nur an die Mühen einer Wüstenwanderung erinnern, gelegentlich sieht der Leser sich mit geradezu rätselhaften Darlegungen des Autors konfrontiert, die einer Sphinx würdig wären. So etwa auf Seite 86, wo Claudio Naranjo wörtlich ausführt: "Ich meine, dass die berühmtesten historischen Persönlichkeiten vom Typus E2 Alexander der Große, Julius Cäsar und Napoleon waren." Eine Zuordnung dieser klassischen Herrscher und Machtmenschen zum Enneagramm-Muster 2 dürfte wohl jeden, der gewisse Kenntnisse zum Enneagramm besitzt, nachhaltig verblüffen.

Das Buch von Claudio Naranjo ist ohne Zweifel kein Einsteigerbuch zum Enneagramm, so hat es der Autor nicht konzipiert. Aber auch schon Fachkundige im System des Enneagramms lassen keine Lücke in ihrem Bücherregal, wenn sie dieses Werk nicht kennen, es sei denn zur Ergänzung deutschsprachiger Literatur zum Ennegramm schlechthin. Lobenswert ist es, dass dieses Buch zu den wenigen der Enneagramm-Literatur gehört, die ein - wenngleich hier nur gut eine Seite umfassendes - Glossar enthalten.

Claudio Naranjo
Wandlung durch Einsicht

Via Nova, 1999
416 Seiten

€ 22.50
interessiert mich

 

Reifarth, Wilfried / Das Enneagramm - Idee, Dynamik, Dimensionen

(Besprechung: Wolfram, 08.04.2001)

Das Buch von Wilfried Reifarth stellt eines der wenigen Enneagramm-Bücher dar, die keine fremdsprachlichen Übersetzungen sind. Der Autor bedient sich einer gut verständlichen Sprache, das Buch erscheint damit schon für "fortgeschrittene Anfänger" auf dem Gebiet des Enneagramms geeignet, aber auch für Leser mit bereits weitergehenden Kenntnissen zum Enneagramm.

Nach einigen einführenden Gedanken kommt Wilfried Reifarth zunächst auf die Ursprünge des Enneagramms zu sprechen. Sodann erklärt er die einzelnen Elemente der zeichnerischen Darstellung des Enneagramms und erwähnt eine Reihe von Bedeutungen, die diesen Elementen von verschiedenen geistigen Richtungen zugeschrieben werden. Danach stellt der Autor die 3 Triaden und ihre Bedeutungen vor und kommt auf die "Stress- und Trostpunkte" mit ihren durch die "Pfeile" gekennzeichneten Verbindungen zu sprechen, weiterhin erklärt er die "Flügel". Den Abschluss des einleitenden Teils des Buches stellen kurze, aber grundlegende Ausführungen über die vorherrschenden Leidenschaften jedes Menschen dar, hier findet der Leser erste Berührungen mit den einzelnen Mustern des Enneagramms.

Der Hauptteil des Buches besteht aus eingehenden Darlegungen zu diesen 9 Mustern. Der Autor folgt bei jedem Typ einem gleichartigen Aufbau, den er vorab vorstellt. Anschließend befasst er sich auf einer Länge von jeweils ca. 20 Seiten mit jedem einzelnen Muster. Für Leser, die noch am Anfang der Beschäftigung mit dem Enneagramm stehen, erscheint dabei hilfreich eine zu jedem Muster gegebene Auflistung der Bezeichnungen, die von den verschiedenen Enneagramm-Autoren gebraucht werden.

Gerade hier im Hauptteil wirkt sich wohltuend die verständliche Sprache des Autors aus. Insbesondere bedient er sich nicht einer Vielzahl eher verwirrend wirkender Attribute, wie dies bei anderen Autoren nachzulesen ist. Auch zur religiösen Komponente des Enneagramms hält sich Wilfried Reifarth auf angenehme Weise zurück, ohne sie ganz zur Seite zu lassen. Bei jedem Muster spricht er die zum Enneagramm wesensgemäß gehörenden Verwicklungsmöglichkeiten und Entwicklungtendenzen an, mit seinen Ausführungen betont er eindeutig die psychologische Anwendbarkeit des Enneagramms. Eingebettet in seine Darlegungen findet der Leser eine ganze Anzahl kurzer oder auch längerer Textabschnitte mit "Geschichten", die dem Autor als Untermalungen geeignet erscheinen und die überwiegend aus dem Mittleren Osten stammen. Zudem schmücken Holzschnitte das Buch.

Der Schluss des Buches setzt sich aus mehreren Teilen zusammen. Dabei zeigt der Autor anhand der zeichnerischen Darstellung des Enneagramms mit zusätzlichen Verbindungslinien und "Schnitten" Zusammenhänge auf, die so nicht zu den in der Enneagramm-Literatur allgemein anerkannten Gesichtspunkten gehören. An dieser Stelle kann sich der Leser leicht überfordert fühlen. Danach schließt der Autor noch einige Vermutungen an, die sich nach seiner Ansicht aus einer angemessenen Anwendung des Enneagramms im zwischenmenschlichen Bereich ergeben können.

Am Ende des Buches findet der Leser einen längeren Fragenkatalog zu jedem einzelnen Enneagramm-Muster sowie ein Literaturverzeichnis mit überwiegend deutschsprachigen Büchern.

Fazit: Die Lektüre des Buches von Wilfried Reifarth erscheint empfehlenswert, der Leser kann auch dann einige Bereicherungen mitnehmen, wenn er bereits andere Enneagramm-Bücher kennt. Von manchen dieser Werke hebt sich das Buch von Wilfried Reifarth durch seine Kürze angenehm ab.

Wilfried Reifarth
Das Enneagramm - Idee, Dynamik, Dimensionen

Eigenverlag des Deutschen Vereins
für öffentliche und private Fürsorge
Frankfurt am Main
272 Seiten

interessiert mich

 

 

Riso und Hudson / Die Weisheit des Enneagramms

(Besprechung: Wolfram, 03.06.2001)

In meinem Bücherregal stehen bereits mehrere dickleibige Bücher von Don Richard Riso. Als ich mir sein neuestes Werk in deutscher Sprache mit dem Titel "Die Weisheit des Enneagramms" im Buchhandel ansah, habe ich zunächst gezögert. Der Grund lag in der Überlegung, ob der Aufwand der Lektüre denn wohl lohne, was könnte denn Riso noch Neues, Anderes bringen zum Thema Enneagramm? Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Ich habe das Buch gekauft, gelesen und bin voll zufrieden über diese Entscheidung. Auch bin ich froh darüber, das ich mich von dem leider ausgesprochen esoterisch wirkenden Umschlagbild des Buches nicht habe abschrecken lassen.

Beim ersten Blick in Risos neuestes Werk gefiel mir neben dem übersichtlichen Inhaltsverzeichnis die Tatsache, dass dieses Buch auch ein längeres Stichwortverzeichnis aufweist. Dies ist bei Enneagramm-Büchern leider keineswegs selbstverständlich, es fehlte auch bei den bisherigen Büchern von Riso.

Der Aufbau des Buches entspricht im wesentlichen der Struktur, die wir auch aus anderen umfassenden Enneagramm-Büchern kennen: Es gibt zunächst eine allgemeine Einführung und Hinführung zum Enneagramm, dann folgt als Hauptteil eine je ca 25-seitige systematische Abhandlung zu jedem der 9 Persönlichkeitsmuster des Enneagramms, danach schließen sich Gedanken zur Transformation der Persönlichkeit, zum spirituellen Gebrauch des Enneagramms an. Die Autoren schieben religiöse Gedanken keineswegs zur Seite, sie haben ihre Ausführungen indes in einer Weise verfasst, die auch weniger religiös ausgerichtete Menschen zweifellos ansprechen wird.

Im Einleitungsteil und fortsetzend auch im Hauptteil bieten die Verfasser Test-Möglichkeiten zur Ermittlung des eigenen Persönlichkeits-Typs an. Ich selbst hatte mit dieser Offerte einige Probleme, aber jeder Leser sollte sich hierzu ein eigenes Bild verschaffen. Enneagramm-Test sind ja ohnehin nicht unumstritten.

Besonders gefallen haben mir im Einleitungsteil die Ausführungen der Autoren zu den Triaden. Es erscheint mir wichtig, dass dieser doch so wesentliche Gesichtspunkt des Enneagramms neben den einzelnen 9 Typen seiner erheblichen Bedeutung gemäß abgehandelt wird. Wenn in anderen Enneagramm-Büchern der Aspekt der Triaden zu kurz kommt, so besteht leicht die Gefahr, dass der Wald (= die 3 Grundbedürfnisse des Menschen) vor lauter Bäumen (= die 9 Typen mit ihren Unterteilungen) nicht mehr gesehen wird ...

Riso / Hudson gehen auch ausführlich auf die "Flügel" und die Integrations- bzw. Desintegrationslinien im Enneagramm ein, die "Pfeile". Daneben finden breiten Raum Darlegungen zu den Entwicklungsstufen innerhalb der einzelnen Muster, einer Spezialität von Riso. Besonders gefallen haben mir die Ausführungen zu den "Triebvarianten" "selbsterhaltend", "sozial" und "sexuell". Diese "Triebvarianten" kennzeichnen die Autoren ausdrücklich nicht als "Subtypen" und treten nach meiner Einschätzung damit der u.a. bei Helen Palmer nachzulesenden Begriffsverwirrung in erforderlicher und erfreulicher Weise entgegen.

Der Hauptteil des Buches mit den Ausführungen zu den einzelnen Enneagramm-Typen ist - wie das gesamte Werk - in einer erfreulich klaren, im Vergleich zu anderen Büchern geradezu erfrischend wirkenden Sprache verfasst. Die Autoren unterziehen sich dabei der "Fleißarbeit", die Kindheitsmuster, die "Flügel", die "Triebvarianten", natürlich die Riso-typischen Entwicklungsstufen sowie die "Pfeile" im einzelnen abzuhandeln. Diesem umfassenden Überblick habe ich beim Lesen mit einem erheblichen Maß an Hochachtung Rechnung getragen, zumal ich wegen der wohltuenden Sprache manchmal das Empfinden hatte, das Enneagramm ganz neu vorgestellt zu erhalten.

Ungewohnt für Kenner des Enneagramms dürfte das "Enneagramm des Loslassens" sein, über das die Autoren fast am Ende ihres Buches schreiben. Ich bin mir nicht sicher, ob die darin angeschnittenen Gesichtspunkte im Bereich der Enneagramm-Literatur Bestand haben oder sich sogar durchsetzen werden. Hier scheint eher das Bemühen im Vordergrund zu stehen, erst einmal Anstöße zur möglichen Weiterentwicklung des Enneagramm aufzuzeigen, eine Tendenz, die auch bei anderen Autoren zu beobachten ist. Hierzu kann ich auf meine Besprechungen zu den Büchern von Reifarth sowie Bauer verweisen.

Fazit: Die Lektüre des Buches von Riso / Hudson, "Die Weisheit des Enneagramms", kann ich nur bestens empfehlen, sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene jeden Grades im Bereich des Enneagramms.

Riso / Hudson
Die Weisheit des Enneagramms

Mosaik bei Goldmann 2000
430 Seiten, Taschenbuch

€ 13.00
interessiert mich

 

 

Rohr, Richard und Ebert, Andreas
Das Enneagramm

(Besprechung: Verlagstext)

Das Standardwerk zur Einführung in die kontemplative Psychologie des Enneagramms.

Welcher der neun Typen sind Sie? Kennen Sie Ihre Fixierung und den Weg aus Ihrer Falle? Dieses Buch von Rohr und Ebert vertieft Ihre Selbsterkenntnis und verwandelt Ihre Gottesbeziehung. Die umfassende Einführung in die zeitlose, uralte Seelenkunde des Enneagramms ist der Buchklassiker in unserem Programm. Zum zehnten Geburtstag haben die Autoren das Werk neu überarbeitet und Erkenntnisse und Erfahrungen der letzten zehn Jahre einfliessen lassen.

Rohr, Richard / Ebert, Andreas:
Das Enneagramm
Die neun Gesichter der Seele

Claudius-Verlag
312 Seiten, Taschenbuch

€ 17,90
interessiert mich

 

 

Rohr, Richard und Ebert, Andreas / Erfahrungen mit dem Enneagramm

(Besprechung: Verlagstext)

Der Nachfolgeband zum Enneagramm mit Beiträgen amerikanischer und deutscher Enneagrammspezialisten. Erfahrungsberichte, psychologische, theologische und therapeutische Perspektiven für alle, die sich noch intensiver mit dem Enneagramm beschäftigen wollen.Mit großem Enneagrammtest.

Rohr, Richard und Ebert, Andreas
Erfahrungen mit dem Enneagramm

Claudius-Verlag
268 Seiten, Taschenbuch
Dezember 1999

€ 17,90
interessiert mich

 

 

Schreber, Klaus / Das Enneagramm - ein Heilsweg?

(Besprechung: Wolfram, 10.02.2001

Es gibt eine ganze Anzahl von Büchern, in denen das Enneagramm als Mittel zur Selbsterkenntnis, als Weg zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, als Hilfe im Alltag dargestellt wird. Hierzu zählt das Buch von Klaus Schreber nicht, der Autor will vielmehr das Enneagramm kritisch bewerten.

Kritik am Enneagramm begrüße ich, denn Kritik ist - sofern sie sachlich vorgetragen wird - in den meisten Fällen förderlich. Nach Durchsicht des Buches von Klaus Schreber bin ich der Meinung, dass er sich um sachliche Ausführungen durchaus bemüht hat: Das 59 Seiten umfassende Buch ist ähnlich aufgebaut wie eine Seminararbeit an der Uni, es enthält ein Inhaltsverzeichnis, einen Hauptteil mit Einleitung und Zusammenfassung sowie ein - bescheidenes - Literaturverzeichnis.

Schon in der Einleitung (S. 7) teilt der Autor mit, was er mit seinem Buch beabsichtigt: Klären, was sich hinter dem Enneagramm verbirgt, ob es den verheißenen Zweck erfüllt und ob es in der Gemeindearbeit seinen Platz hat.

Bereits an dieser Stelle begeht Klaus Schreber eine beachtliche Unterlassung: Er sagt dem Leser nicht, welche "Gemeindearbeit" er denn meint (Jüdisch? Christlich? Falls christlich: welcher Ausrichtung?) Auch im ganzen Buch gibt Klaus Schreber nicht zu erkennen, welcher Religionsgemeinschaft er sich zuordnet. Erst eine Internetabfrage zum Programm des Logos-Verlages führt zu einer annäherungsweisen Klärung: Dieser Verlag veröffentlicht eine Vielzahl von Schriften aus dem Bereich der (russischen) Baptisten und Mennoniten.

Bis etwa zur Mitte des Buches befasst sich der Autor dann zum einen mit Fragen zur Herkunft des Enneagramms und zum anderen mit seinen Strukturen. Zum ersten Gesichtspunkt teilt er dem Leser mit hinreichenden Vorkenntnissen nichts Neues mit. Zu den Elementen und zu den Strukturen des Enneagramms enthalten die Ausführungen von Klaus Schreber aber "Aspekte", die mir denn doch reichlich "neu" vorkommen (die Anmerkungen in den Klammern sind von mir):

- Die "Bauch-Triade" (allein sie?) werde ihrerseits dreigeteilt durch einen von drei "Grundtrieben", der dort (nur dort?) angesiedelt sei (S.10)

- Für die "Herz-Triade" (nur für sie?) sollen die "Wurzelsünden" charakteristisch sein (S.11)

- Die "Fallen" werden der "Kopf-Triade" (nur ihr?) zugeordnet (S.11)

- Das "dreifache Kontinuum" gäbe es in der "Kopf-Triade" und in der "Herz-Triade" (in der "Bauch-Triade" also nicht?) (S.12)

Verblüfft hat mich auch die vom Autor vorgenommene Einstufung des Sufismus und einer tibetanischen Ausrichtung des Buddhismus als "esoterische Einflüsse" (S.18). Nach meiner Kenntnis sind sowohl der Islam als auch der Buddhismus "Weltreligionen" und keine Geheimlehren. Schon fast tendenziell wirkt auf mich, wenn Klaus Schreber ausführt, im Zuge der Ausbreitung des Enneagramms seien Praktiken des Buddhismus, des Taoismus, des Islam und des Christentums "vermischt" worden (S.23). Hätte er geschrieben, Praktiken aus diesen Religionen seien bei der Beschäftigung mit dem Enneagramm miteinander verbunden worden, so könnte ich ihm zustimmen - mit seiner Diktion gehe ich indes nicht einig. Den Ausdruck "vermischen" gebraucht Klaus Schreber auch noch an anderen Stellen seines Buches (S. 34, S.40).

Einig gehe ich mit ihm auch nicht hinsichtlich der von ihm angesprochene "Gesetzlichkeit der römisch-katholischen Kirche" (S.26). Ich als Katholik kenne zwar Lehren der katholischen Kirche und Kirchengesetze, von "Gesetzlichkeiten" ist mir aber nichts bekannt. Dazu sei angemerkt: Es mag zwar zutreffen, dass viele Wege nach Rom führen, jedoch wollen manche dort gar nicht hin ...

Als ausgesprochen tendenziell empfinde ich es auch, wenn Klaus Scheber zum Ausdruck bringt, das Enneagramm als Typenlehre presse die Menschen in Schubladen (S.31). Nach meiner Einschätzung ordnet das Enneagramm bestimmte menschliche Verhaltensweisen 9 mustermäßigen Umschreibungen menschlichen Verhaltens zu - Personen "presst" dieses System nirgendwo hin. Im Gegenteil: Ich sehe es so, dass das Enneagramm geeignet erscheint, Auswege für Menschen aufzuzeigen, die sich selbst auf einen bestimmten Bereich beschränkt haben.

Einen Gesichtspunkt, der dem Autor sehr wesentlich erscheint, bringt er zum Ausdruck, indem er ausführt, ein wichtiger Unterschied des Enneagramms gegenüber anderen Typenlehren sei seine spirituelle Ausrichtung. Zwar ist es zutreffend, dass das Enneagramm nicht nur als vorrangig psychologisch geprägte Hilfe im Alltag verstanden wird, sondern auch Gebrauch findet zur religiös orientierten Entwicklung, jedoch kann ich nicht nachvollziehen, wieso in dieser Möglichkeit gerade ein "wichtiger" Unterschied zu anderen Typenlehren liegen soll. Sehe ich mir mal die mir bekannte umfangreiche Literatur zum Enneagramm an, so befassen sich die meisten Autoren nur am Rande mit der möglichen spirituellen Ausrichtung des Enneagramms. Aus dem Buch von Klaus Schreber erlese ich indes, dass er diese Nebenausrichtung des Enneagramms als seine wichtigste Intention ansieht - mehr als seine persönliche Meinung ist das aber für mich nicht.

Einigen Raum widmet Klaus Schreber der Frage nach der Wissenschaftlichkeit des Enneagramms, die er verneint. Richtig ist, dass die Dynamik, die von der breiten Mehrheit der Autoren von Enneagrammbüchern diesem System zugeschrieben wird, bislang nicht wissenschaftlich bewiesen wurde. Den Grund dafür kenne ich nicht, vielleicht hat bislang noch niemand sich diese Aufgabe gestellt. Wieso nun der Autor aus dieser Gegebenheit den Schluss zieht, diese Dynamik lasse sich mit wissenschaftlichen Methoden nicht nachweisen, so dass "folglich die Gültigkeit des Enneagramms angezweifelt werden" könne, erscheint mir rätselhaft. Will er etwa ausdrücken: "Was bislang nicht geschehen ist, kann auch nicht geschehen?"

Eine gänzlich jenseits meines Verständnisse liegende Aussage des Autors enthält seine Formulierung, das Enneagramm sei "letztlich ein religiöses System" (S.39). Hier wird nach meinem Empfinden "die Henne dem Regenwurm" gleichgesetzt: Ich gebrauche zwar das Enneagramm auch mal im Rahmen des religiösen "Systems", dem ich selbst mich zugehörig fühle (dem Christentum in seiner katholischen Ausgestaltung), jedoch käme ich nie auf die Idee, das Hilfsmittel Enneagramm auf eine Stufe mit der (christlichen) Religion zu stellen.

Den Gedanken einer möglichen spirituellen Ausrichtung des Enneagramms fasst der Autor schärfer, indem er unmissverständlich formuliert: "Das Enneagramm will eine spirituelle Typenlehre sein" (S.40). Natürlich kann ich das Enneagramm auch im spirituellen Bereich gebrauchen, ich wehre mich aber ganz entschieden dagegen, in diesem schmalen Gebiet den Hauptanwendungsbereich des Enenagramms zu sehen.

Aus seiner persönlichen Sicht geht Klaus Schreber nun massiv gegen das Enneagramm an. Er bezeichnet es als "erwiesenermaßen esoterische Lehre" (S.41), ohne allerdings Fundstellen für "Beweise" auch nur andeutungsweise zu zitieren. Statt dessen behauptet er schlichtweg, das Enneagramm stamme aus geistigen Strömungen des New Age (S.41) und wirft bestimmten Enneagrammautoren vor, sie hätten keine "konkrete Überprüfung des Enneagramms anhand der Bibel" vorgenommen (S.41). Ich hatte bislang noch nie den Gedanken, eine derartige Überprüfung als geboten zu erachten.

Zwar bin ich kein Theologe, jedoch gehört es zu meiner Allgemeinbildung zu wissen, dass sich das Christentum aus dem Judentum ableitet und der Islam seinerseits seine Wurzeln in diesen beiden Religionen findet. Allen drei Religionen ist wesentlich der Glaube an den einzig einen Gott, alle drei Religionen werden deshalb auch als monotheistische Religionen bezeichnet. Unstrittig ist Allah ein Name diese einzig einen Gottes spezifisch im Islam. Ich weiß deshalb nicht, wie Klaus Schreber auf den Gedanken kommen kann, im Enneagramm würden Allah und der Gott der Christen unterschiedslos nebeneinander gestellt und wie er darin auch noch eine Verletzung des 1. Gebotes des Alten Testamentes sehen kann (S.44). Im Monotheismus gibt es definitionsgemäß nur den einzig einen Gott, mag er nun mit "Allah", "Herr" oder "Jachwe" angerufen werden, er ist und bleibt einzig einer.

Bei einigen Enneagrammautoren vermisst Klaus Schreber eine Erwähnung der "anklagenden, ins Gericht ziehenden Seite Gottes" und behauptet, das Enneagramm vermittle "ein Gottesbild" (S.45). Auch auf den letztgenannten Gedanken bin ich noch nie gekommen, und zum erstgenannten meine ich, dass mir die österliche Auferstehung als Weg in die Zukunft wesentlich näher liegt als der Karfreitag, so wichtig mir dieser durchaus ist.

Der von Klaus Schreber herausgestellte Begriff der "Erbsünde" (S.47) fand seine wesentliche Entwicklung in den Lehren des Hl. Paulus, nicht in den Evangelien selbst. Leider spricht dies der Autor nicht an. Statt dessen schreibt er von einem "biblischen Begriff der Bekehrung" (S.48) - ohne diesen näher auszufüllen - und trägt sinngemäß vor, das Enneagramm biete "Erlösung" (S.48). - Nun ja, persönliche Entwicklung bietet das Enneagramm ganz unstrittig, aber "Erlösung" würde ich mit diesem psychlogisch geprägten System ganz sicher nicht suchen.

Ähnlich neben der Sache liegt nach meiner Einschätzung der Vorhalt des Verfassers, bestimmte Enneagrammautoren gingen nicht "auf ewiges Leben bzw. ein Leben nach dem Tode" ein (S.49). Ich frage mich: Was hätte diese spezifisch religiöse Fragestellung im Bereich des Enneagramms auch zu suchen?

Gleiches gilt auch für die Meinung von Klaus Schreber, "alles in allem sei und bleibe das Enneagramm ein Mittel zur Selbsterlösung des Menschen" (S.50). Vielleicht mag der eine oder andere, der sich intensiv mit dem Enneagramm befasst hat, auch mal einen Gedanken in diese Richtung gelenkt haben, insbesondere bei buddhistischem Hintergrund, aber es erscheint mir abwegig, das Enneagramm gerade so zu charakterisieren.

Klar und unmissverständlich erhebt Klaus Schreiber jedoch gerade diese Randidee zu einer seiner Schlussaussagen, indem er behauptet: "Das Enneagramm entpuppt sich damit als antichristliche Irrlehre, die die Möglichkeit menschlicher Selbsterlösung suggeriert." (S.51)

Wörtlich zitiere ich den Schlussabsatz seines Buches (S.56):

"Fazit: Das Enneagramm ist aus drei gravierenden Gründen abzulehnen: 1. Es entstammt einem okkulten Hintergrund und enthält eine esoterische Lehre der Selbsterlösung. 2. Seine Gültigkeit lässt sich wissenschaftlich nicht nachweisen. 3. Die Theologie hinter dem Enneagramm ist ganz eindeutig unbiblisch und muss als Irrlehre bezeichnet werden."

Kehren wir an dieser Stelle nochmals zurück zu der von Klaus Schreber auf S.7 dargestellten Absicht seines Buches: "Dieses Buch will daher klären, was sich hinter dem Enneagramm verbirgt, ob es den verheißenen Zweck erfüllt und ob es in der Gemeindearbeit seinen Platz hat." Alle 3 Fragen hat der Autor zu beantworten sich bemüht, jedoch hat er seinen Lesern von vornherein verschwiegen, dass er seine Antworten ausschließlich vor seinem spezifisch ausgerichteten religiösen Hintergrund zu geben bereit war. Fair wäre es gewesen, hätte er als erstes seinen religiösen Standpunkt offen gelegt und hätte er erst dann seine Argumente vorgetragen. Diese Vorgehensweise würde ich eher als wissenschaftlich ansehen; leider hat er sie unterlassen.

So sehr ich konstruktive Kritik am Enneagramm begrüße: Klaus Schreber hat in meinen Augen eine deratige Chance vertan und damit sein Buch selbst entwertet - eigentlich schade ... 

Klaus Schreber
Das Enneagramm - Ein Heilsweg?

Reihe Aufklärung der Arbeitsgemeinschaft für Religiöse Fragen (A.R.F.)
Band 25
Logos-Verlag 1999
interessiert mich

 

 

Thomson, Clarence / Das Jesus-Enneagramm

(Besprechung: Wolfram, 08.07.2001)

Bei aller positiven Einstellung zum Enneagramm: hier habe ich im Buchladen doch erst mal gezögert, mich mit diesem Buch zur Kasse zu begeben. Schließlich sind 32,00 DM ein stolzer Preis für ein relativ dünnes Buch. Meinen Entschluss, es doch zu kaufen, habe ich beim Lesen dann aber keineswegs bereut.

Wie so einige andere Enneagramm-Bücher auch hat das Werk von Clarence Thomson in der deutschen Ausgabe leider einen weniger ansprechenden Titel. Meines Erachtens wäre der Verlag besser beraten gewesen, hätte man den amerikanischen Titel übersetzt übernommen und das Buch mit "Gleichnisse und das Enneagramm" benannt.

Genau darum geht es in diesem Buch, das weniger den Bereich der psychologischen Ausprägungen anspricht, sondern vorrangig die spirituelle Seite des Enneagramms. Der Autor befasst sich mit einer Vielzahl von Gleichnissen aus dem Neuen Testament und den von ihm herausgearbeiteten Verbindungen dieser Texte jeweils zu den 9 Enneagramm-Mustern.

Wohltuend erscheint mir, dass Clarence Thomson in keiner Weise aufdringlich oder gar moralisierend schreibt. Es liegt wohl vielmehr in seiner Absicht, den Leser sanft, aber zugleich anleitend mit seinen Überlegungen vertraut zu machen und ihn insbesondere selbst zum Nachdenken und Weitersuchen zu veranlassen. Je nach der schon bestehenden Vertrautheit des Lesers mit dem Enneagramm können sich beim Lesen manche kleinen oder auch größeren Überraschungen durch neue Einblicke ergeben. So hat mir besonders gefallen, dass ich jetzt hinsichtlich des bislang mit "Zorn" bezeichneten Schattens des Enneagramm-Typs 1 den Ausdruck "unterschwellige Missbilligung" gelesen habe, der jedenfalls nach meiner Einschätzung die beim Typ 1 häufig zu beoachtenden Verhaltensweisen weitaus zutreffender umschreibt.

Die Leser, die sich zumindest ein bisschen der christlichen Religion zugeneigt fühlen, werden das Buch von Clarence Thomson sicherlich mit Freude durchsehen, insbesondere dann, wenn sie einige Grundkenntnisse im Bereich des Neuen Testaments besitzen. Dabei ist die Konfession - katholisch, protestantisch usw. - für die Lektüre ohne Bedeutung, weil der Autor erfreulicherweise losgelöst hiervon schreibt.

Fazit: Ich bin froh, dieses Buch doch gekauft zu haben, für die Beschäftigung mit der spirituellen Seite des Enneagramms ist es nach meinem Empfinden ein eindeutiger Gewinn.

Einen Hinweis noch zum Schluss: Es gibt noch ein zweites Buch mit dem gleichen Titel auf dem Markt, also vor dem Kauf unbedingt nachsehen, ob tatsächlich Clarence Thomson als Verfasser auf dem Titelblatt steht!

Clarence Thomson
Das Jesus-Enneagramm

Claudius Verlag München 2000
163 Seiten
interessiert mich

 

  

Webb, Karen / Das Enneagramm - Was Sie wirklich darüber wissen müssen

(Besprechung: Wolfram, 31.3. 2003)

In der deutschsprachigen Enneagramm-Literatur führt das aus dem Englischen übersetzte Buch von Karen Webb ein Schattendasein, das so nicht gerechtfertigt erscheint. Denn dieses Buch bietet allen, die sich für das Enneagramm interessieren, in kompakter Form eine recht umfassende und doch leicht verständliche Einführung. Es handelt sich um ein Einsteigerbuch zum Enneagramm, mehr will die Autorin auch gar nicht anbieten, doch dieses Vorhaben ist ihr gelungen. Wer die umfangreicheren Werke zum Enneagramm am Anfang scheut, ist mit dem Buch von Karen Webb gut bedient.

Im einführenden Teil stellt die Autorin die 9 Enneagramm-Muster kurz vor und gibt dem Leser grundsätzliche Hinweise zu den Triaden, zur Dynamik der Stress- und Trostpunkte, zu den Flügeln sowie zu Möglichkeiten psychologischen und spirituellen Wachstums. Auffällig erscheint, dass sie die so bezeichneten „Subtypen selbsterhaltend, sozial und sexuell“ hier ganz betont dem Bauchzentrum zuordnet, während sie später im Hauptteil Aspekte zu den „Subtypen“ auch jeweils bei den Enneagramm-Mustern der Herz- und Kopftypen abhandelt. Eine Begründung hierfür findet der Leser nicht. Diese Lücke erscheint aber kaum verwunderlich, denn Karen Webb steht erklärtermaßen in der „Schule der mündlichen Tradition“ des Enneagramms nach Helen Palmer, die in ihren Büchern den Aspekt der „Subtypen“ ebenfalls nur in Andeutungen erkennen lässt.

Die Anlehnung an die Arbeitsweise von Helen Palmer prägt das Buch von Karen Webb deutlich in seinem Hauptteil, einer übersichtlich gegliederten Beschäftigung mit den einzelnen Enneagramm-Mustern. Zu allen Enneagramm-Typen führt sie eine Vielzahl leicht verständlicher Aussschnitte aus Interviews mit - nicht näher benannten - Personen ein, die ihren Enneagramm-Typ bereits entdeckt haben. Diese Vorgehensweise des „Geschichtenerzählens“ ist uns im europäischen Raum allerdings weniger vertraut als den Amerikanern, gerade für ein Einsteigerbuch zum Enneagramm erscheint sie jedoch passend.

Im letzten Teil ihres Buches bringt Karen Webb Hinweise zu Ähnlichkeiten der Enneagramm-Typen untereinander und zu ihrem Kommunikationsverhalten. Dies geschieht mit einer Fülle von fast einhämmernd wirkenden Sätzen, die einen behutsamen Umgang mit dem Enneagramm eher vermissen lassen. Ähnliches gilt für die Hinweise der Autorin zu weiterem Vorgehen des Lesers nach der Lektüre ihres Buches.

Insgesamt allerdings erscheinen die Ausführungen von Karen Webb als erste Hinführung zum Enneagramm geeignet. Ihr Buch mag durchaus seinen Platz als Einsteigerlektüre finden.

Karen Webb
Das Enneagramm
Was Sie wirklich darüber wissen müssen

Goldmann Verlag
224 Seiten
interessiert mich

 

 

Wolinsky, Stephen / Jenseits des Enneagramms

(Besprechung: Verlagstext)

Wolinsky nimmt uns mit auf seinem Weg der Entwicklung fünfdimensionalen Bewußtseins. In seinem Verständnis vom Menschen und seiner vielschichtigen Natur verbindet Wolinsky die Selbsterkenntnis der östlichen Traditionen mit der Selbstverwirklichung der westlichen Psychologie. Dabei benutzt er das Enneagramm, um die gewohnheitsmäßigen Fixierungen, die das Bewußtsein einschränken, abzubauen. Der Weg 'Jenseits des Enneagramms' ist der Weg des Menschen. Dieser Weg führt durch das falsche Selbst hindurch in die anderen Dimensionen des Seins, d.h. zur Essenz des Menschen und zur Einheit des Quantenbewußtseins , das allem zugrunde liegt. Das ist der Weg des Menschen in der Quantenpsychologie. Nach seinen Büchern 'Die alltägliche Trance', 'Quantenbewußtsein', 'Die dunkle Seite des inneren Kindes', 'Das Tao des Chaos' und 'Das Tao der Meditation' erscheint hiermit das wohl provokativste Werk von Stephen Wolinsky.

Über den Autor

Dr. Stephen Wolinsky ist Begründer der Quantenpsychologie. Er war zunächst Therapeut und Ausbilder in Gestalttherapie und Psychoanalyse nach Wilhelm Reich. Auch studierte er klassische Hypnose, Psychosynthese und Transaktionsanalyse. 1977 ging er nach Indien und widmete sich dort sechs Jahre dem Studium der Meditation und spiritueller Lehren. 1982 nahm er seine Tätigkeit als Psychologe in den USA wieder auf und leitete Ausbildungskurse in Ericksonscher Hypnose und Familientherapie. Bisher sind bereits sechs seiner Bücher in Deutsch erschienen.

Wolinsky, Stephen
Jenseits des Enneagramms

Lüchow
308 Seiten

€ 19.90
interessiert mich








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